Lausitzer Rundschau 05.07.2008
Lausitzer Rundschau 05.07.2008
Brandenburg - Der Mann im rotkarierten Schottenrock schultert einen 45 Kilogramm schweren und fünf Meter langen Baumstamm. Dann richtet er den Koloss senkrecht auf, balanciert ihn eine Weile und wirft ihn schließlich in die Höhe.
Keltischer Kraftsport wird jetzt auch in Brandenburg betrieben - Baumstammwerfen und Steinkugelstoßen im Schottenrock
Der Stamm überschlägt sich in der Luft und kommt senkrecht wieder auf dem Boden auf.
Kraftsportler Hans-Dieter Dorow atmet schwer, der Schweiß fließt in Strömen – doch er nickt zufrieden. Eine der schwersten Disziplinen des Kräftemessens schottischer Art hat der Fürstenwalder (Oder-Spree) sauber ausgeführt. Bewunderung ist dem muskelbepackten Athleten mit dem Spitznamen „Mieze“ gewiss. Er gehört zu den „Stone Walkern“ (deutsch: Steinwanderer), einem erst im Februar gegründeten und in Brandenburg bisher einmaligen Verein, der sich dem traditionellen schottischen Hochlandsport verschrieben hat.
„Der Kilt ist dabei vorgeschriebene Wettkampfkleidung“, erzählt der 50-Jährige. Schließlich geht der urige Kraftsport auf keltische Traditionen aus dem 11. Jahrhundert zurück. Damals sollen sich die schottischen Clans regelmäßig getroffen haben, um die Stärksten und Geschicktesten unter sich zu ermitteln.
Die konnten dann als Leibwächter oder Kuriere am Königshofe Karriere machen. In Anlehnung dessen wird der schottische Sport auch heute nur mit schwergewichtigen Naturgeräten betrieben: Neben Baumstämmen (50 Kilogramm) gehören Steine (bis zu 150 Kilogramm) und Eisenkugeln (25 Kilogramm) dazu.
Zwischen Mai und September gibt es alljährlich rund 100 dieser Wettkämpfe mit mehr als 30 Disziplinen in Schottland. Das Baumstammwerfen entstand, als sich die Schotten auf diese Weise den Abtransport gefällter Bäume an Hängen erleichterten. Eindrucksvoll ist auch das schottische Hammerwerfen: Ein Eisengewicht wird rücklings über eine hohe Stange geschleudert. Beim „Stonelifting“ muss der Sportler eine mindestens 100 Kilogramm schwere Steinkugel auf ein 1,60 Meter hohes Podest stemmen. Genau das richtige für Hans-Dieter Dorow. Seit 19 Jahren betreibt er Kraftsport, ist fast täglich im Fitnessstudio.
Vor einem Jahr hat „Mieze“ bei einen Treffen im sächsischen Radeberg dann sozusagen Blut geleckt. „Ich wurde im Einzelwettkampf auf Anhieb Dritter“, erinnert sich der kraftstrotzende Bauunternehmer, der schnell Mitstreiter in Fürstenwalde fand.
„Wir Stone Walker sind jetzt elf Mitglieder, davon vier aktive“, erzählt Frank Bertermann, der hauptberuflich in einer Spedition arbeitet. Einer der Athleten sei ein Polizist aus der polnischen Grenzstadt Slubice. Das nächste Mal zu erleben sind die kraftstrotzenden Fürstenwalder am 31. August zu den 7. deutschen Scottish Highland Games im sächsischen Radeberg. Internet-Kontakt: www.stone-walker.de
Quelle: Lausitzer Rundschau von Jeanette Bederke am 05.07.2008